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Art in the City | June 25, 2017

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Parallel Vienna 2013

Parallel Vienna 2013

| On 14, Okt 2013

Man kennt es ja von gehypten Blockbustern. Durch das ganze “OMG der Film ist so toll” und “den musst du dir ansehen” der anderen verlässt man den Kinosaal mit einem unbefriedigendem “Meh”.

So geht es mir oft nach gehypten Kunst Veranstaltungen. Die Medien berichten nur über die allergrößten der Größten der Kunstszene und man erwartet sich von Anfang an mehr von ihnen als vom Rest. Die Parallel Vienna aber hat mich an genau das erinnert, warum ich über alles, was mich in der Kunstszene interessiert, berichte. Aber fangen wir von vorne an.

Jedes Jahr gibt es zur Zeit der internationalen Vienna Fair Parallelveranstaltungen, wie in den vergangen Jahren die Fruits, Flowers & Cloud, die Jennyfair oder die Parkfair. Oft gehen die Informationen etwas unter, weil die Stadt vollplakatiert ist mit Werbung für die Viennafair. Ich schleppte mich also ohne hohen Erwartungen zum Börsenplatz, es war Sonntag, ich war müde, ich hatte überhaupt keine Lust meine Wohnung zu verlassen und fand das Alte Telefgrafen Amt vor. Ich spazierte die Stufen hoch und da war schon der erste Raum: ein Massaker religiöser Leute mit Anlehnung an die katholische Kirche. Ein Tisch, wie das letzte Abendmahl, statt Besteck jedoch Zahnarzt-Equipment, Bilder voll mit “Blut” und so weiter. Meine Neugierde wurde größer.

Die nächsten drei einhalb Stunden wanderte ich durch das heruntergekommene Gebäude in dem in fast jedem Zimmer Kunst jeglicher Art aufzufinden war – von Gemälden und Zeichnungen über Video- und Musikinstallationen und Skulpturen. Die Atmosphäre war beängstigend, man hörte überall Menschen reden, verschiedenste Musik spielen und der Zustand des Gebäudes trug einen erheblichen Teil dazu bei. Der Boden war verdreckt vom Wandputz, Kabel standen aus allen Wänden heraus, die übrigens angemalt und angesprayt waren, alte Telefonzellen standen zurückgelassen und unbenutzt in den Gängen und als ich schnell nach links flüchten wollte, um eine zu rauchen, fand ich einen Raum voll mit alten Spinden wieder und selbst, wenn man aus dem Fenster sah, sah man im Hof weitere Installationen. Es war wie ein Labyrinth in dem jeder Künstler mit seinem Raum machte, was er wollte. Sei es ihn blau auszuleuchten, ein Gemälde direkt auf die Wand zu malen oder aus irgendeinem Grund Wäsche anzumalen und aus dem Fenster zu werfen (…?). Ich muss zugeben, zeitweise bekam ich Panik und hatte Angst, dass ich nie mehr meinen Weg in die Freiheit finden würde, vielleicht befand sich ja auch ein Serienkiller unter uns, man weiß es nicht. Ich lief also über mehrere Stockwerke, ging hier mal die Treppe hoch und auf der anderen Seite wieder runter, nur um festzustellen, dass ich hier noch nie war und landete irgendwann in einem verwahrlosten, mehrstöckigen Keller, der gruseliger nicht hätte sein können. Raum nach Raum gefüllt mit Kreativität, Phallusskulpturen und jede Ecke wurde ausgenutzt, um sie mit Kunst zu beschmieren.

Eines müsst ihr verstehen: die Parallel Vienna, war zwar eine Parallelmesse, aber hatte nicht weniger bedeutende ausstellende Künstler und Kunst Instutionen, wie beispielsweise die Konzett Galerie, die Lust Gallery, Wiener Art Foundation, Erwin Wurm, Karlheinz Essl Jr., Mario Neugebauer oder Alex Kiessling. Manche waren sogar sowohl bei der internationalen Viennafair, wie auch bei dieser Messe vertreten, aber natürlich gab es auch, passend zu einer Parallelveranstaltung, die upcoming Künstler und Off Spaces.

So fand ich unter anderem ein halbverbranntes Klavier vor, das mittels einem Projektor Flammen auf das Klavier projezierte. Oder einen mechanischen Vogel, den ich aus vollster Nähe ansah als er sich plötzlich bewegte (!) und auf den Stein kackte, auf den er stand.
Ich muss zugeben, ich bin kein großer Fan von Kunstvideos, meistens verstehe ich sie nicht und finde sie deshalb langweilig. Doch den Film Apnoe von Harald Hund hätte ich mir stundenlang ansehen können: es ging um eine Familie, die unter Wasser lebt. Sie essen, trinken, reden, gehen feiern, nur eben unter Wasser. Der Aufwand dieses Filmes muss enorm gewesen sein und verdient ehrlich gesagt seinen eigenen Blog Eintrag, der in Kürze folgen wird.

Danach bin ich zu Fuss durch den ersten Bezirk nach Hause gegangen, um ein bisschen runterzukommen. Ich bin sehr enttäuscht, wenn diese Veranstaltung von Max Lust & Co nur eine einmalige Sache war. Leider wird es wohl nächstes Jahr nicht im Alten Telegrafen Amt statt finden, da das Gebäude verkauft wurde und womöglich bald ein Hotel sein wird.

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