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Art in the City | June 25, 2017

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David LaChapelle – Once in the Garden: Mehr als ein Life Ball Plakat

David LaChapelle – Once in the Garden: Mehr als ein Life Ball Plakat

| On 06, Jun 2014

Lustig wie das typisch junge und hippe Publikum solcher Vernissagen vom 7. in den 10. Bezirk pilgert um David LaChapelle in der Galerie Ostlicht zu sehen. Das Ost- und Westlicht müssen echt ein verdammt gutes Marketing haben, da die Ausstellungen jedes Mal dermaßen gut besucht sind. Aber vielleicht sind es auch einfach nur die populären Formate, wie das World Press Photo oder jetzt eben David LaChapelle, der für seine Promifotografie berühmt ist bzw. in Wien auch für die Gestaltung des Life Ball Plakats 2014. Mit den zwei kontroversen Versionen des Plakats („Ich bin Adam – Ich bin Eva – Ich bin Ich“) löste er eine emotional geführte, relevante Diskussion aus. Erstens: Wie viel Nackheit darf in der Öffentlichkeit gezeigt werden? Und zweitens: Ist es ein Tabu eine Transgender-Frau komplett nackt zu zeigen und womöglich Kinder zu verwirren?

Natürlich ist das Plakat bewusst provokativ. Aber genau so gelingt es dem seit 1992 existierenden Life Ball auch die nötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine Debatte anzufachen. Die Geschichte von der Oma, die als Sprayerin in der Nacht durch Wien zog und die Geschlechtsteile auf den Plakaten unkenntlich machte, die durch die Boulevardmedien geisterte, tat ihr Übriges. Viral ging ein Interview, dass das Vice Magazin mit einigen Kindern führte um sie zum Plakat zu befragen. Die Essenz daraus war, dass eines der Kinder, unbeeindruckt vom Plakat, nach seinem Müsli fragte – was uns wiederum zeigte, dass diese Nackheit den Kindern unglaublich egal ist.

Eine schöne Erklärung zum Plakat kommt einerseits vom Künstler selbst und andererseits vom Model: „Die Trennlinie zwischen den Geschlechtern ist längst verschwommen – jeder ist auf seine Art einzigartig. Für mich ist ein Körper nicht nur der Gegenstand zur Erfüllung sexueller Gelüste. Vielmehr beherbergt er auf wunderschöne Weise die Seele des Menschen – und genau das feiern wir in diesem Bild„, erklärt David LaChapelle. Und Model Carmen Carrera meint: „Dein Geschlecht sollte weder in deinem Herzen eine Rolle spielen noch in der Form, wie du deine Persönlichkeit nach außen trägst. Wir sollten uns nicht davor fürchten einer bestimmten Geschlechter-Wahrnehmung entsprechen zu müssen, denn auf diesem Planeten gibt es so viele unterschiedliche Menschen. Meine Botschaft lautet: Schönheit hat kein Geschlecht. Am Ende des Tages ist Schönheit einfach nur Schönheit„.

Um noch ein bisschen vom Aufreger des Life Balls wegzukommen und über den Rest der Ausstellung zu berichten:

Menschen sehen gerne Menschen auf Bildern. Besonders berühmte Menschen. Und am besten nackte Menschen und pornografische Aufnahmen. Dabei gab es doch viel interessantere Fotos.

Zum Besipiel die Aufnahmen von Miniaturmodellen von Ölraffinerien, Tankstellen, etc., die gänzlich aus alltäglichen Konsumartikeln, wie Strohhalmen, Lockenwicklern und Eierkartons hergestellt wurden. Die Fotos nahm LaChapelle dann bei surrealen Lichtsettings im Regenwald von Maui, in der Wüste und entlang Kaliforniens‘ Küste auf. Erinnert an Pop Art und Andy Warhol? Ja, stimmt. Wobei Warhol, der LaChapelle seinen ersten Job verschaffte, die Kommerzialisierung des Kunstbetriebs zum Thema machte und LaChapelle uns eher zum Nachdenken über die Ausbeutung der Ressourcen der Erde durch den Menschen bringen will. Der Künstler stellt sich vor wie zukünftige Archäologen eine alte Tankstelle ausgraben, so wie wir heute einen Inka Tempel, und somit nachvollziehen werden, wie unsere heutige Zivilisation zu Fall gebracht wurde.

Fünf Prozent des Nettoverkaufserlöses der ausgestellten Werke von David LaChapelle kommen übrigens AIDS LIFE zu Gute.

Beitragsbild: David LaChapelle, Land Scape: Kings Dominion, 2013 © David LaChapelle